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Amelie Nothomb „Reality Show“

Das klingt nun wirklich nicht nach einem islamischen Buch, soll auch keines sein. Gestern am 27.01.2020 war der 75-jährige Gedenktag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau. Ich selbst war bisher nur in Theresienstadt, habe Buchenwald literarisch durch mehrere Bücher kennengelernt (Bruno Apitz‘ „Nackt unter Wölfen“ ist da sehr empfehlenswert!) und das Grauen von Auschwitz wurde mir durch den „Roman eines Schicksalslosen“ von Imre Kertesz nahegebracht.

Da schafft es doch tatsächlich ein deutscher Trash-Privatsender namens Sat1, diesen Tag durch seine sehr geschmacklose Werbung für eines seiner Formate zu entwürdigen.

Und prompt fiel mir das passende Buch für die Marketing-Verantwortlichen des Senders ein: „Realityshow“ von Amelie Nothomb, erschienen im Diogenes Verlag.

Worum geht es dabei?

Die Macher eines französischen Privatsenders müssen dringend bessere Einschaltquoten einfahren und ersinnen ein neues TV-Format: eine Realityshow, in der in einem Lager Häftlinge auf der einen Seite und die Wärter auf der anderen Seite gegeneinander antreten. Um dem Gnazen etwas mehr Würze zu verleihen, gilt die Regel, dass jeder Häftling ab sofort nur mehr mit seiner Häftlingsnummer angesprochen werden soll. Und am Ende einer jeden Woche darf der Zuschauer via Telefonvoting entscheiden, welcher Wärter welchen Häftling erschießen soll…Die Einschaltquoten sind bombastisch, die Macher entzückt von ihrer glorreichen Idee. Doch haben sie nicht mit der rebellischen Seite der Häftlinge gerechnet..

Amelie Nothomb ist eine der wenigen Schriftstellerinnen, die mit sehr provokanten Thematiken der Gesellschaft einen Spiegel vorhalten kann. (Das ist Michel Houellebecq in seinen ersten Romanen auch gelungen…). Dabei kann sie bisweilen sehr witzig (in ihren autobiografischen Romanen) bis zynisch („Die Reinheit des Mörders“, „Realityshow“) agieren und wird doch nie langweilig. Obwohl sie sich sehr anstrengt, jedes Jahr einen Roman rauszubringen (sic!).

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