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Ein (ge-)wichtiger Termin: die #FBM

Tja, wieder ist es soweit: die Buchmesse in Frankfurt, alljährlich im Oktober stattfindend, öffnet ihre Tore. Und herbei strömen die Leser und Verkäufer, Autoren und Schriftsteller, Verleger und Blogger.

Als ich mir unlängst Bilder von der IAA ansah, konnte ich einen neidischen Seufzer nicht unterdrücken: würden diese visuellen und akustischen Effekte auch bei der #FBM vorherrschen – nun, das wäre mit Sicherheit ein Erlebnis. ABER: ein Buch ist nun beileibe kein Auto und definitiv kleiner. Und würde inmitten der ganzen Lasershows und Ansagen komplett als solches ziemlich untergehen. Also sind die Hallen eher spartanisch – manche Stände mit Sicherheit auch – eingerichtet und im Mittelpunkt steht – richtig: das Buch. Wobei die #FBM kein Platz für den Genuss der Literatur hat – im Gegensatz zur im Frühjahr stattfindenden Leipziger Buchmesse. Hier in Frankfurt geht es in erster Linie ums Geld, Lizenzen und Verträge. Natürlich kann man die #FBM auch als Netzwerkpflege und -aufbau sehen, aber in erster Linie ist es eigentlich eine Leistungsschau.

Zeitlich unterteilt wird die #FBM in die Fachbesucher- und Publikumstage. Wer zu der eit schon mal in Frankfurt weilte, weiß, welche Massen an Besuchern aus den U- und S-Bahnen drängen, um die – um diese Zeit besonders – heiligen Hallen zu betreten.

Die #FBM hat auch für mich nach all diesen Jahren nichts an ihrer Faszination verloren. Gut für die eigene Fitness ist sie zudem auch noch, denn um die ganzen Hallen zu durchqueren, braucht man 1) sehr bequemes Schuhwerk und 2) einen eisernen Willen und 3) mehr als nur zwei Stunden Zeit. Entdecken kann man sehr viel, wenn man nicht nach Schema F vorgearbeitet hat oder sich nur zwei ganz bestimmte Verlage anschauen möchte. Die Hallen 3.0 und 3.1 sind generell den Publikumsverlagen vorbehalten. Interessant können auch die Hallen 5.0 und 5.1 werden, da dort meist die ausländischen Verlage, die nicht englischsprachig sind, Platz finden.

Die Buchmesse selbst musste sich angesichts der rasanten Entwicklung im Publishingbereich vor einigen Jahren neu aufstellen und seitdem gibt es auch für Indie- und Selfpublishing-Autoren und Verlage eine Ecke in der Halle 3.1.

Wer einiges an Zeit mitbringt oder gar in eine Dauerkarte investiert, hat gute Karten, keinen der Workshops oder Vorträge zu verpassen. Wobei – das könnte schwierig werden, denn dummerweise laufen die interessanten Sachen immer  zur selben Zeit – ähnlich wie Fernsehwerbung. Autoren sind meist auch da, doch: die wichtigen tauen meist immer erst am Freitag auf und bleiben bis wenigstens Samstag. Dumm für Fachbesucher, aber die sind auch nicht grundsätzlich daran interessiert, die haben mehr immer die Verlagsvertreter im Blick oder Griff.

Auf jeden Fall freue ich mich, dieses Jahr mal wieder dabei zu sein und berichte euch dann. Die Woche wird es in sich haben: am Mittwoch ist Amelie Nothomb bei meinem Arbeitgeber zu Gast, am Donnerstag ist die Buchmesse geplant und abends vielleicht noch zu Gregor Gysi?, am Freitag ist mein persönlicher Höhepunkt, denn ich werde Yasmina Khadras Lesung besuchen in der Stadtbücherei Frankfurt. Also alles in allem eine hoffentlich sehr ereignisreiche Woche.

PS: Für alle Messeneulinge: Trinken und Essen selbst mitbringen. Die Preise für beides ist direkt in den Messegebäuden exorbitant hoch. Muss nicht sein. Und Wasser werdet ihr wirklich brauchen, denn die Luft ist unglaublich trocken.

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Warum Verlage scheitern

Ich bin oft im Netz unterwegs, um Neuerscheinungen, Trends oder Neuigkeiten in Sachen Buch aufzuschnappen. Und oftmals reibe ich mir verdutzt die Augen, weil wieder mal ein kleiner Verlag aufgegeben hat oder gar in einem großen aufging.

Im muslimischen Buchmarkt geht das oft viel schneller vonstatten, denn es gibt tatsächlich nur 2 bis 3 große Player am Markt und viele Verlage machen so wenig Werbung, dass es fast ein Wunder ist, wenn das Buch auch mal verkauft wird.

Was also machen Islamische Bibliothek und Darulkitab sowie Rauda/Granada  richtig?

  • Es gibt jedes Jahr mindestens 2 neue Titel im Sortiment.
  • Es gibt genügend Titel im Sortiment. Ein Verlag kann sich nicht auf zwei Büchern ausruhen. Das wird in der allerersten Zeit gutgehen, danach scheitert man allerdings grandios.
  • Sie machen genug Werbung. Ähnlich wie Amazon muss man seinen potentiellen Lesern mit Newslettern u.ä. auf die Pelle rücken.
  • Die Bücher sind qualitativ hochwertig. Wenn das Druckbild mies ist, wird es für den Leser eher zur Qual.
  • Man nimmt die Leser ernst. Das merken auch große Publikumsverlage, die sich sehr viel früher nicht um die Kunden scherten. Ganz großes Beispiel: Cecilia Ahern gab es immer auf deutsch mit blauem Hintergrund und weißer Schrift. Irgendwann dachte sich ein schlauer Mensch: wir können das ja mal ändern. Prompt verkaufte sich der Titel nicht mal halb so gut, denn rostbraunes Cover mit weißer Schrift – das war nicht Cecelia Ahern.
  • Frag die Buchhändler. Niemand kann Fragen zu Kundenwünschen und Trends besser als sie beantworten.
  • Vernetze dich mit Buchmenschen. Das können Blogger u.ä. sein, denn die machen Werbung und sind meistens keine hochtrabenden Rezensenten, die von irgendeiner Stelle dafür bezahlt werden. Blogger und andere gut vernetzte Menschen lesen gerne und wollen ihre Vorliebe/Hobbys nur an andere weitergeben.
  • Beantworte E-Mails und Briefe. Auch zeitnah. Nichts ist nervender für einen Leser (oder Blogger), wenn man nicht ernst genommen wird.
  • Schau nicht aufs Geld. Einen Verlag zu gründen würde ich jedem abraten, der nur Dollarzeichen in den Augen hat. Bis ein Verlag wirklich Profit abwirft und etabliert ist, dauert es Jahre. Verlagsgründer sind in der Regeln Idealisten und Individualisten. Wenn man ein tolles Buch geschrieben oder übersetzt hat, wird man nicht gleich einen neuen Verlag gründen, es sei denn, Punkt 1 und 2 treffen auf dich zu.
  • Halte dich an die Regeln, siehe Urheberrecht und geltendes deutsches Recht in Sachen Buch. Ich sage nur Buchpreisbindung.
  • Versuche, deinen Dunstkreis zu erweitern. Dein Buch kann besser und leichter bestellt werden, wenn es auch eine ISBN hat. In jeder Buchhandlung.
  • Respektiere deinen Kunden und damit deinen Leser. Du willst etwas verkaufen und brauchst Käufer, die im besten Fall dein Buch auch weiterempfehlen. Gehe an die Öffentlichkeit! Bislang kenne ich nur einen Verlag, der auch Lesungen veranstaltet hatte, und das war der Narrabila-Verlag. Es muss ja nicht gleich eine Lesung sein, aber Webinare o.ä. wären für Leser und potentielle Kunden eine tolle Erfahrung.

 

Lustig fand ich eine Geschichte, als es vor einiger Zeit zu einer sehr fruchtbaren Diskussion kam in Sachen eBooks von islamischen Verlagen. Richtig: die gibt es auf deutsch kaum.

Auf Facebook diskutierten wir also, warum eBooks doch eine gesunde Bereicherung für den muslimischen Leser wären. Altes Lied: ca. 50% lehnten von vornherein die Vorstellung ab, sich einen Reader zuzulegen, da das Erlebnis mit dem „richtigen Buch“ unübertroffen wäre. (PS: Ich war auch mal so und klar: mit einem „richtigen Buch“ ist das Lesen gleich viel schöner. Mittlerweile wäge ich allerdings ab, ob ich das Buch wirklich haptisch zuhause haben möchte oder ob es reicht, es auf einem Reader zu haben.)

Ein Verlagsinhaber meldete sich und merkte an, dass ein eBook von seinen Kunden noch nicht angefragt worden wäre. Ich schaute mir also seine Seite an und musste unwillkürlich grinsen: dieser Verlag hatte genau EINEN Titel im Programm. EINEN! Und dazu noch sehr speziellen. Nämlich in Sachen Ramadan. Das wäre ungefähr so, als würde ein Geschenkbuchverlag wie Groh oder Coppenrath nur noch Bücher zur Hochzeit herausbringen. Und da dieser Verlag keine Werbung gemacht hatte (- kleine Anmerkung: das muss echt ein Toptitel sein, wenn es zur Mundpropaganda kommen soll – ) wusste ich nicht mal, dass es a) diesen Verlag gab und b) dass er ein Buch herausgebracht hatte. Klar, dass dann kein Käufer nach einem eBook fragt.

Der muslimische Buchmarkt ist trotz der zunehmenden Fülle an Titeln immer noch sehr überschaubar. Und die Leserschaft auch. Tatsächlich liegen die Auflagen der Titel bei 500 bis 2000 Exemplaren. Mehr nicht. Und damit kann kein Verlag wirklich Profit machen.

 

Über ein Like oder Kommentar würde ich mich sehr freuen.

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