Archiv der Kategorie: Roman

Eine Diskussion rund um „Islam und Kunst“

Diese Diskussion möchte ich euch nicht vorenthalten, weil sie eben sehr interessant ist, aber auch sehr kontrovers.

 

Jetzt mal kurz von meiner Seite aus: Schriftsteller wird man nicht, wenn man noch nie in seinem Leben ein Buch gelesen hat. Das heisst: Figuren, die man erschafft, spiegeln immer Erfahrungen aus unserem Leben wider, ob es eine willkürliche Begegnung mit einer fremden Person oder aber die Jugendliebe aus vergangenen Zeiten ist.

Selbst in der Fantasy ist es nicht anders; viele Motive kehren aus der bereits gelesenen oder gehörten Literatur wieder. Wenn es mal einen kreativen Vergleich braucht: es ist ähnlich wie der Lego-Karton, viele Steine und selbst hier baut man nach dem, was man bereits gesehen oder schon gebaut hat.

 

Deshalb widerspreche ich: selbst Romanfiguren sind nichts wirklich Neues, wer Autoren bzw. Schriftsteller näher kennt, weiss, wie man was in den Kontext setzen kann zur Person selbst. Und genau deshalb ist die Interpretation schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Klar: wenn der Autor einen schlechten Tag hat, wird er sich nicht an die Schreibmaschine setzen, aber sicher weiss jeder, dass ein 20-Jähriger anders schreibt als bspw. ein Achtzigjähriger, der vllt. auch schon selbst im Krieg war und von daher menschliche Abgründe sehr viel besser beschreiben kann als unser Twen, der ab und an mal in einem schicken Hotel im Ausland weilt.

 

 

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Der Narrabila-Verlag

Im Buch- und Verlagswesen muss man einen Wiedererkennungswert haben. Das beginnt meist mit dem eindeutigen Verlagsprofil und beinhaltet vor allem den optischen Wert. Als prominentes Beispiel kann man hier durchaus explizit den Diogenes-Verlag nennen, der seit einigen Jahrzehnten im optisch gleichem Gewand daherkommt. Andere grosse Verlage versuchen dies auch, doch ist meist nach einer Umstrukturierung hier deutlich eine Veränderung zu erkennen, die sich nicht immer positiv auswirken muss. (Beispiel Goldmann)
Bei deutschen muslimischen Verlagen indes ähneln sich fast alle Verlage, nur einige wenige stechen heraus. Schaut man ins Impressum nach dem Verantwortlichen für die Gestaltung, taucht meist nur eine Firmenbezeichnung auf namens „Stilus Design“. Dumm ist an der Geschichte, dass sich die Bücher meist nicht voneinander unterscheiden und sozusagen der Designer an der Gestaltung erkennbar ist, ähnlich wie ein Dieter-Bohlen-Song (egal, wie schlecht oder gut er ist, Dieter Bohlen erkennt man immer…). Unterscheidbar sind dann tatsächlich nur die Typographien der einzelnen Verlagsbezeichnungen, selbst beim Vorwort des Verlages hat man meist nur das Gefühl, dass sie voneinander abgeschrieben haben, ja selbst die Grammatikfehler blieben vom Kopieren nicht verschont.
Nehmen wir mal die Kinderbücher raus, sticht derzeit mit einem optischen Wiedererkennungswert (als Verlag!) nur der Narrabila-Verlag heraus.
Gegründet 2011 in Berlin von Claudia Iman Valentin-Mohamed und Tasnim El-Naggar, konzentriert sich der Narrabila-Verlag hauptsächlich auf Romane aus muslimischer Sicht und Sachbücher (Ratgeber-Themen).
Allerdings: ich würde persönlich die Romane keinem Mann empfehlen, da sie doch sehr frauenlastig geschrieben sind (Hauptfigur und Weltsicht weiblich). Da ich mehrere Bücher des Verlages schon durchgelesen bzw. angelesen habe, kann ich die Bücher nur weiterempfehlen, Sicher ist für den Einen oder Anderen ein Titel dabei.
Wunderbar auch: der Narrabila-Verlag bietet tatsächlich auch Schreibwerkstätten an, meist über ein Wochenende. Für die also, die gerne schreiben und auch mal in der schreibenden Zunft ihr Geld verdienen möchten, ist das eine Plattform, die einen festen Platz in den Terminkalendern verdient hat.
Hier nochmals die bisher erschienenen Titel:
Iman Mohamed
270 Seiten
ISBN: 978-3-94313-600-5
Preis: 10€ (BTW: die sich wirklich lohnen, das ist eines der Bücher, die man nochmals gern liest)
Sandra Abed
240 Seiten
ISBN 978-3-94313-602-9
Preis 10,00€
Ist eher ein Jugendroman, hier stehen das Gefühlschaos und die Schwierigkeiten muslimischer Jugendlicher in der hiesigen Gesellschaft im Mittelpunkt.
Katja Meryem Brügel
192 Seiten
ISBN: 978-3-943136-03-6
Preis: 10€
Iman Mohamed
166 Seiten
ISBN: 978-3-943136-04-3
Preis: 8€
Iman A. Reimann
160 Seiten
ISBN: 978-3-943136-01-2
Preis 14,95€
Vykinta Krisiukėnaitė-Ajami
125 Seiten
ISBN: 978-3-943136-05-0
Preis: 10€
Hrsg. Fatima Grimm
160 Seiten
ISBN: 978-3-943136-06-7
Preis: 6€
Eine Sammlung von Muslimas, die von ihren Erfahrungen mit Tuch erzählen. Buntgemischt und interessante Geschichten.
Seid ihr neugierig geworden oder habt ihr noch Fragen? Dann geht einfach auf die Webseite des Verlages

Jotiar Barmani „Muhammad – Die faszinierende Lebensgeschichte des letzten Propheten“

As-salamu aleikum wa rahmatullahi wa barakatuh,

heute nehme ich insh’allah mal wieder Bezug auf einen islamischen Titel, der ebenso in keinem Buchregal fehlen darf und sehr gut für die Da’wa-Arbeit geeignet ist.
Es geht um dieses Buch:

„Muhammad – Die faszinierende Lebensgeschichte des Propheten“ von Jotiar Bamarni, Verlag Die Schreibfeder
ISBN-13: 978-3-9803633-3-4

Es ist bereits die 7.Auflage zu haben mash’allah.

Nach einem sehr netten und ausführlichen Gespräch mit dem Autoren ist folgendes zu Tage gekommen: Der Aufbau des Buches wurde etwas geändert (wer es schon mal gelesen hatte, weiß, dass er es nicht mit einem Sachbuch zu tun hat, sondern eher mit einem Roman) und die Ahadith, die aufgeführt wurden, sind ausführlicher aufgeführt. Nichtsdestotrotz ist es eben ein sehr empfehlenswertes Buch für die Da’wa, weil es eben kein typisch muslimisches Werk ist, obwohl es die Ansprüche durchaus erfüllt, weil sehr viele vor allem authentische Quellen zurate gezogen wurden. Zudem ist es als Roman geschrieben und daher vielleicht für Nichtmuslime  viel geeigneter, weil ihnen die Botschaft des Islam nicht „um die Ohren gehauen“, sondern in kleinen Schritten vermittelt wird. Für mich entfällt damit das brachiale Wesen mancher islamischer Bücher.

Yasmina Khadra „Die Schuld des Tages an die Nacht“

khadraKrieg ist niemals gut. Es gibt auch weder eine gute oder schlechte Seite im Krieg. Er hinterlässt Narben, bei denen, die auf der Verliererseite stehen, aber auch bei den Gewinnern. Krieg ist kein reinigendes Unwetter nach fast unerträglich heissen Tagen im Sommer. Von beiden Seiten werden immer wieder Gründe hervorgebracht, warum gerade dieser Krieg so notwendig ist, warum es notwendig ist, Frauen die Männer und Söhne, Kinder die Träume und unbeschwerten Zeiten und den Männern die Lebensfreude zu nehmen. Krieg kann nicht gut sein.

Algerien hat nun mittlerweile einige Kriege im letzten Jahrhundert hinter sich gebracht, zahllose Menschen sind getötet worden auf vielen Seiten. Und das erste Mal, dass ich die Beklemmung dieses Volkes wirklich spüren konnte, ist dem Buch „Die Schuld des Tages an die Nacht“ von Yasmina Khadra zu verdanken.

Er entführt uns mithilfe seiner Hauptfigur Younes in das Algerien der dreissiger Jahre. Younes wächst in einem kleinen algerischen Dorf auf, Armut begleitet seinen Weg und seine Familie. Eines Tages vernichtet ein Feuer die Ernte und damit den Lebensinhalt der Familie und Younes muss mit ihnen nach Oran ziehen, in das elendste Viertel. Erst dort erfährt er, dass er auch einen Onkel hat. Sein Vater lehnt aus falschem Stolz jegliche Hilfe ab und versucht, selbst auf die Beine zu kommen. Younes‘ kleine Schwester ist nach dem Feuer schwer traumatisiert und seine Mutter versucht trotz der Widrigkeiten, den Kindern einen stabilen Halt zu gewährleisten. Eines Tages wird Younes‘ Vater Issa ausgeraubt von einem berüchtigten Strassenräuber. Ausser sich vor Wut tötet Issa diesen und bringt Younes einen Tag später zu seinem Bruder, damit sein Sohn eine Chance habe.

Younes geniesst eine glückliche Kindheit und Jugend bei seinem Onkel, wird Apotheker und verliert doch nie die Suche nach seiner Mutter und Schwester aus den Augen, die seit dem Mord durch Issa verschwunden sind. Er freundet sich mit drei anderen jungen Männern an, und diese Freundschaft wird stark in Mitleidenschaft gezogen, als Emilie den vieren begegnet….

Ein tragischer Roman, ein wunderbares Buch, das von der tiefen Liebe des Autors zu seinem Heimatland erzählt.

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