Archiv der Kategorie: Roman

Der unglaubliche Lauf der Fatima Brahimi

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Copyright: Arena-Verlag

Jakob ist ein Spinner. Zumindest denken seine Klassenkameraden so. Er ist zwar kein guter Sportler, aber er kennt alle Zeiten von Läufern auswendig, ob von Weltmeistern oder Olympiasiegern oder Stadtläufern.

Eines Tages kommt eine neue Schülerin in die Klasse. Fatima Brahimi stammt aus Algerien und trägt ein Kopftuch und ein langes Kleid. Als Jan, der Klassenrowdy, versehentlich einen Ball von ihr an den Kopf bekommt, sie nach der Schule verfolgt, um sich an ihr zu rächen, und Jakob sie beim (Davon-) Laufen sieht, kennt er nur ein Ziel: er will Fatima trainieren und sie wird beim Stadtlauf gewinnen! Mindestens. Doch zunächst muss er Fatima davon überzeugen, auch mitzumachen….

Dieses Buch hat unglaublich Spass gemacht zu lesen. Jürgen Banscherus gelingt es, in einer wirklich kindgerechten Sprache zu schreiben und schafft es, dass sowohl Mädchen als auch Jungen daran Spass haben werden.

Ein wunderbares Buch, das die Themen Rassismus, Mobbing und Freundschaft wunderbar vereint.

Erhältlich ist das Buch in jeder Buchhandlung zum Preis von 8,00 €.

ISBN-13: 978-3-401-50977-8

Ein Preis. Irgendwie untergegangen.

Irgendwie untergegangen ist die Preisverleihung für den „International Prize for Arab Fiction“ (im Volksmund als Arab Booker Prize bezeichnet). Der wurde bereits letzte Woche im Zuge der Buchmesse in Abu Dhabi verliehen und zwar an Mohamed Hasan Alwan für „A small death“. Neben einem Preisgeld in Höhe von 50.000 $ wird der Roman auch auf Englisch übersetzt.

Alwan ist 1979 in Riad geboren und lebt in Toronto. Nun ist „A small Death“ nicht das erste Buch, das Alwan veröffentlicht hat, erhältlich ist allerdings nur „Der Biber“ auf Französisch. Seine vorherigen Novellen waren  “The Ceiling of Sufficiency” (2002), “Sophia” (2004), “The Collar of Purity” (2007). „Der Biber“ gewann zudem 2015 den Übersetzungspreis des Paris Arab Institutes.

Darf man also darauf hoffen, dass vielleicht ein kleiner deutscher Verlag Interesse zeigt, anosnten bleibt uns nur die englische bzw. französische Version, für die arabischkundigen natürlich auch arabische Originalversion.

„A small Death“ ist eine Fiktion über das Leben des Sufi-Gelehrten Muhyiddin Ibn Arabi, der im 12 Jhd. in Spanien geboren wurde.

 

 

 

Frühstück mit der Drohne – Tagebuch aus Gaza

An dem Buch hatte ich zu knabbern.

Atef Abu Said ist verheiratet, hat Kinder und ist ein palästinensischer Journalist, der in Gaza lebt.

Als die israelischen Angriffe am 7. Juli 2014 beginnen, beginnt er Tagebuch zu schreiben. Wir erinnern uns: an diesem Tag stand die deutsche Mannschaft einen Tag entfernt vor dem Halbfinale gegen Brasilien.

Die Palästinenser rechnen Zeit anders: sie rechnen in Kriegen oder Friedenszeiten, je nachdem. Trostlosigkeit machte sich bei mir breit, mit jedem Tag wurde die Hoffnung ungewisser, ob es denn endlich einen Schlusstrich geben würde. Und wie so häufig in modernen Kriegen steht man dem Feind nicht mehr persönlich gegenüber, sondern hört allenfalls ein Sirren, bevor die Explosion dich von den Füßen reißt. Am Anfang zählt Atef Abu Said noch die Namen derer auf, die ihr Leben verloren, doch auch das wird sporadischer, weniger, bis zuletzt auch die Toten nicht mehr eine Stimme haben, die über sie spricht.

Der Autor erzählt von den Momenten trügerischer Ruhe, die im Grunde genommen auch schlimmer sind als die Lautstärke der Explosionen, denn er weiß nicht, wie lange sie halten wird. Kann er seinen Kindern vermitteln, warum es eben heute nicht gut ist, mal für kurze Zeit an die frische Luft zu gehen? Wo können er und seine Lieben erstmal sicher übernachten, wenn selbst die Schulen der UN als nächstes auf der „Schwarzen Liste“ stehen? Über allem schwebt die Unsicherheit, auch darüber, ob die Informationen korrekt sind: gibt es Friedensverhandlungen oder stimmt das Gerücht mit der dreitägigen Feuerpause?

Von Tag zu Tag werden die Sätze kürzer, knapper und symbolisieren damit eine Hoffnungslosigkeit, die sprachlos macht und den Leser bestürzt zurück lässt.

Dennoch ist das Buch durchaus als Dokument eines Zeitzeugen zu sehen und zu verstehen.

Empfehlenswert, auch wenn ich nur in kleinen Etappen lesen musste.

„Frühstück mit der Drohne – Tagebuch aus Gaza“

Atef Abu Said

Unionsverlag, 2015

Gebunden, 256 Seiten

Printausgabe: 19,95€

eBook: 14,99€

Zu bestellen in jeder Buchhandlung!

Völlig überschätzte Bücher

Autsch, jetzt oute ich mich wahrscheinlich als Un-Geniesser „hoher“ Literatur.

Ganz im Ernst: die folgenden Titel habe ich zu lesen versucht, aber spätestens nach 20 bis 30 Seiten wegpacken müssen, weil ich

a) nicht reinkam oder

b) die ganze Zeit überlegt hatte, warum der Autor eigentlich so rumschwafeln muss und wann es denn mal spannend wird?

Da sind sie nun:

1. „Der Drachenläufer“ von Khaled Hosseini: Sorry, nach 10 endlosen Seiten war Schluss, den Film habe ich mir gar nicht erst angetan. Dieses Buch gehört für mich wie auch folgendes in die Kategorie „Unnötig gehypt“

2. „Life of Pi“ bzw. „Schiffbruch mit Tiger“: Ging gar nicht.

3. „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen: Entweder ist mein Geschmack zu schlecht oder die neuen „grossen amerikanischen Schriftsteller“ dieser Zeit entwickeln schlicht und einfach keine Kraft, dafür aber ein unnötig grosses Labergefühl.

4. Kafka: Ich habe wahrscheinlich durch meinen Deutschunterricht einen eklatanten Widerwillen gegen ihn entwickelt, hatte aber Jahre später nochmals mehrere Versuche gestartet. Nein, geht nicht, wir kommen nicht zusammen. Aber ich rechne Kafka auch zu den Autoren, die man sich vermutlich in der pseudo-intellektuellen Phase zwischen 17 und 20 reinziehen muss, aber da standen Thomas Mann und Rilke sowie Hermann Hesse bei mir höher im Kurs.

5. Gedichte von Goethe: Ehrlich: damit würde er heutzutage keinen Blumentopf gewinnen, ich liebe den „Faust“ (wobei, den zweiten Teil kann man sich eigentlich schenken, der erste hingegen war kongenial…).

6. die Philosophen: ja, ich weiss, sie gehören definitiv nicht zu Schriftstellern, aber lesbar werden sie dadurch auch nicht.

7. „Shades of Grey“: Wer mal lachen will über schlechten Satzbau und grauenhafte Grammatik, sollte sich diese Bücher mal ansehen, aber kaufen muss man sie sich nicht. In Sachen „einfältiger Sprache“ kann auch

8. die „Biss-Reihe“ von S. Meyer mithalten. Der Unterschied zwischen deutscher und englischer Ausgabe ist famos, weil ich die Übersetzerin immer wieder bewundern muss, dass sie daraus tatsächlich etwas mit mehr Anspruch zaubern konnte.

9. Jetzt wage ich mich auf gaaaanz dünnes Eis: „Game of Thrones“. Ich liebe Highfantasy, aber das derzeitige Gehype um G.R.R. Martin geht mir derart auf den Keks, dass ich die Bücher mit Nichtachtung strafe.

10. Sebastian Fitzek und Konsorten: ich lese berufsbedingt viele Krimis und deutsche Autoren haben mich nicht wirklich überzeugt. Entweder sind sie spätestens nach dem ersten derart vorhersehbar, dass man den Täter nach den ersten Seiten erkennt oder aber sie spannen den Bogen zu weit, dass es dann zu pathetisch wird.

11. Genauso verhält es sich mit McFadyen. Irgednwie ist alles recht blutrünstig, aber Stimmung kommt keine auf, weil die Personen sich immer zu sehr gleichen. Ach, wer es noch nicht weiss: der neue McFadyen wird wahrscheinlich nicht rauskommen wg. schwerer Krankheit des Autors.

12. Samt und sämtliche Lebensratgeber, Liebesratgeber, Ratgeber politischer, philosophischer, religiöser Art etc. pp.: wenn sich die Menschen daran halten würden, wäre die Welt wirklich ein besserer Ort.

13. Ja und „komische“ Menschen sowie Menschen, die unbedingt als Kind irgendeiner Berufsgruppe antreten müssen mit der Vernichtung eines weiteren Hektar Waldfläche („Lehrerkind“, „Ärztekind“ etc.) – Juhu! – am besten noch lustischen Lehrern, die in ihrer sehr mageren Freizeit (das wird von Lehrern immer suggeriert, aber komischerweise schreiben ne Menge Lehrer auch ne Menge Bücher…) – euch sei gesagt: Ihr seid nicht komisch! Ihr seid nicht komisch! Ihr seid mitnichten komisch!

14. „Gone Girl“ – nee, sorry, ein absolutes Hass-Buch für mich und in den Kinofilm mit Schnarchnase Affleck gehe ich ohnehin nicht.

Bist du eine 1 oder eine 0?

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Marc Elsberg

Blanvalet, Gebunden

Erschienen  Mai 2014

ISBN 978-3-7645-0492-2

 

 

 

 

Nach seinem Debüt „Blackout“, in dem es zwar vordergründig um das Katastrophen-Szenario des kompletten Stromausfalles in Europa ging und damit um den gesellschaftlichen Zusammenbruch, hintergründig aber um die Frage, inwiefern moderne Versorgungssysteme manipulierbar von aussen sind durch „Kracker“ (von mir benutzter Begriff für Menschen, die zivilen Leuten mit Schadprogrammen und Trojanern schaden. Der echte „Hacker“ gibt sich schon  allein aus Prinzip nur mit den grossen Fischen ab und versucht deren Systeme zu knacken, um zu beweisen, dass er es schaffen kann bzw. sie in ihre Schranken zu verweisen), wendet sich Elsberg auch diesmal dem Thema Datenmanipulation (im Internet) zu.

 

Nach den langen und ausgiebigen, aber nicht lösungsorientierten Diskussionen um das Thema Datensicherheit, das ausgerechnet von einem ehemaligen NSA-Mitarbeiter in den öffentlichen Raum gelangt ist, mag sich Elsberg vielleicht ganz leicht damit beschäftigen, geht aber tatsächlich einen massiven Schritt weiter: Wie weit sind wir überhaupt manipulierbar und schlimmer noch: Sind wir so vorhersehbar, dass Algorithmen unser Verhalten im Netz und auch alltäglichen Leben im Voraus berechnen können? – Minority Report lässt grüssen….

 

Freemee ist ein neuer Player im weltweiten Netz und hat eigenen Aussagen zufolge schon viele Millionen Nutzer. Es bietet Apps – kostenlose und kostenpflichtige – die allesamt dem Nutzer einen entscheidenden Vorteil bieten: sie machen ihn erfolgreicher, attraktiver, glücklicher, fitter. Alles, was er dafür tun muss, ist, einen sehr langen Fragebogen so exakt wie möglich auszufüllen, sonst ist die Berechnung des Profils ja nicht wirklich vollständig und Freemee kann demzufolge auch nicht hundertprozentige, auf den Nutzer abgestimmte Apps empfehlen.

 

So weit, so gut. Kennen wir ja schon. Doch hier geht Elsberg in der Story weiter. Tatsächlich läuft im Hintergrund eine Art Ranking – ein Programm namens ManRank. Und wie das so ist, man kann dort jedesmal seine Werte überprüfen, ist man besser oder schlechter als der Freund oder der Nachbar? Wer ist denn bloss derArme, der da noch gar nicht aufgeführt ist? Vier Milliarden Menschen sind schon in der Statistik erfasst, der Rest ist „eine Null“. „Besser eine schlechte Wertung als gar keine Wertung“, so wird das im Buch gesagt, und den Ausspruch kennen wir ja auch: „Besser schlechte Presse als gar keine Presse.“ Bei Freemee ist alles miteinander vernetzt: Kreditkarten, Einkaufsverhalten, persönliche Daten, Freunde, Familie, Bekannte, all das machen dann die Punkte, die einen nach oben oder unten rutschen lassen können. Hat man die Jeans gekauft, die von der App empfohlen wurde? Ist man dem Rat einer anderen App gefolgt, mehr für die Schule zu lernen? Hat man ggf. Personen die Freundschaft gekündigt, weil es besser für den sozialen Status und damit auch besser für ManRank und die eigene Position in der Liste ist?

 

Vernetzt sind wir ohnehin in dieser digitalen Zeit, doch sollte es uns Angst machen, dass wir peu a peu steuerbar sind. Manipulierbar. Und das hat nicht nur mit der Datennutzung zu tun. Wie wäre es denn mit politischen Wahlen? Oder einer bestimmten Firma, deren Produkte dank einer App plötzlich in sind oder die zumachen kann, weil man ihre Produkte schlicht und einfach für nicht mehr zeitgemäss und gesellschaftstauglich erklärt?

 

Können wir Normalverbraucher und Netznutzer denn auch die Algorithmen entschlüsseln und vllt. auch verändern? Können wir überhaupt noch mithalten mit dem, was das Internet ausmacht, das sich jeden Tag ein wenig mehr ändert, ein wenig mehr vergrössert? Anders gefragt: Ist der Mensch überhaupt kompatibel mit einer Erfindung, die er nicht mehr im Mindesten verstehen kann? (ich rede hier im Übrigen vom Ottonormalverbraucher, also Zivilisten…)

 

Dass Marc Elsberg diese Fragen nicht zufriedenstellend beantworten kann ob der Komplexität des Themas, aber die Leser zum Nachdenken anregen kann, das beweist er mit diesem Buch.

 

Ein wunderbares Zitat aus dem Buch möchte ich euch aber nicht vorenthalten:

 

„Stell dir vor, deine Regierung oder die Polizei würden von dir verlangen, das du die ganze Zeit ein Kästchen mit dir herumträgst, das permanent meldet, wo du bist und was du gerade tust. Den Finger würdest du ihnen zeigen! Die Datenoligarchen dieser Welt hingegen bezahlst du auch noch dafür dass sie dich ausspionieren. Das ist die hohe Kunst der Überwachung! Darf ich dir bitte mein Geld dafür geben, dass du mich ortest und meine Daten verwertest? Von denen können die Geheimdienste dieser Erde echt was lernen!“

 

 

„Was nicht sein darf“ – Sam Jordan (Kindle-Version)

Diesen Tipp hier habe ich via Mail erhalten (Danke nochmals dafür!) und mir das E-Book gleich runtergeladen. (Achtung: Gleich vorweg: Das gibt es nur als Kindle-Version!)

Es wird als Jugendroman klassifiziert und da gehört es tatsächlich auch hin. Erwachsene können ihn natürlich auch lesen 🙂

 

Alexander, die Hauptperson, ist ein 18-jähriger junger Mann, der gerade sein Abitur hinter sich hat und mit seiner Freundin einen Trip durch die USA plant. Auf dem Weg zum Reisebüro lässt er an der Tankstelle seine Geldbörse auf dem Autodach liegen und fährt los. Tarek, ein BWL-Student, der gegenüber wohnt, rennt ihm hinterher. Alexanders Eltern bestehen darauf, Tarek einen Finderlohn zu geben und so fährt er am nächsten Morgen zu Tareks Elternhaus. Dabei wird er allerdings Zeuge, wie Tarek von zwei Männern im Anzug weggeführt wird und Alexander gerät gleich mit ins Visier. Zunächst hält er das Ganze allerdings für einen Scherz….

 

Dieses Buch scheint ein Erstlingswerk zu sein, eine Autorenseite gab es nicht, zum Buch nur den üblichen Klappentext. So kann ich zum Autoren „Sam Jordan“ leider nichts weiter sagen. Der Preis von 2,99€ ist für 160 Seiten als günstig einzustufen. Einige Rechtschreibfehler sind zu finden, fallen aber nicht wirklich weiter auf, dennoch könnte man den Text ggf. in der zweiten Auflage nochmals Korrektur lesen lassen, ist ja alles möglich. Der Text war angenehm zu lesen, sprachlich an Jugendliche angepasst. Die Hauptfiguren waren recht gut ausgearbeitet, was bei Ich-Erzählern gerade bei niedrigeren Seitenzahlen schwierig ist.

 

Was mir auch gut gefallen hat, war das Ende, denn es gab nicht den „Ta ta-Konvertierungs-Paukenschlag“, den man durchaus fast erwarten könnte und: es ist ein Open End, man kann sich den Weg von Alexander selbst zusammenstricken, so man das möchte.Man weiss danach weder, wer die Drahtzieher waren, noch, wie es mit Alexnader weitergeht.

 

Durchaus lohnenswert und ich habe dem Buch 4 von 5 Sternen gegeben, das hat aber eher mit der Aufteilung und Gesamtgestaltung zu tun.

 

 

Edition Bukhara: Unendliches Leid, Das Döner-Team und My halal Check

Hinweis: Die folgenden drei Titel wurden mir freundlicherweise von der Edition Bukhara zur Verfügung gestellt.

„Das Döner-Team und der verschwundene Schuh“dönerteam
von Doris B. Salah
Edition Bukhara
978-3-941910-08-9
Hardcover, ca. 94 S, illustr.
12,50€

Sami, Yunus, Mau und Yusra sind Freunde und treffen sich jeden Freitag zum Freitagsgebet und gehen anschliessend zum Dönerladen. Eines Tages jedoch warten die Mädchen sehr lange auf die Jungs und gehen sie suchen. Es stellt sich heraus, dass die beiden noch in der Moschee sind und nach Samis Ledersandale suchen…Wer also hat die eine Ledersandale gestohlen?

Zusätzlich gibt es neben vielen Illustrationen und extragrosser Schrift auch ein Leserätsel für die Kinder. Auch wunderbar zum Vorlesen geeignet.

Doris B. Salah, schon bekannt durch ihre „Geschichten für kleine Muslime 1+2“ hat hier einen Krimi für muslimische Kinder geschrieben, der sich nicht hinter den langjährigen Reihen wie „Die drei ???“ oder „Fünf Freunde“ zu verstecken braucht. Schön wäre es natürlich, wenn es denn auch eine Fortsetzung geben würde? (Hüstel, das ist natürlich ein kleiner Fingerzeig in Richtung Autorin, aber es wäre wirklich schön)

Sehr zu empfehlen!

„Unendliches Leid“unendliches-leid
von Hülya Gülschen Ertürk
Edition Bukhara
978-3-941910-05-8
Brosch., ca 175 Seiten
11,90€

Zunächst einmal stelle ich klar: dies ist kein Roman, sondern eine wahre Geschichte einer Frau, deren Lebensgeschichte ab dem 13. Lebensjahr tatsächlich als „Unendliches Leid“ beschrieben werden muss.

Hülya wächst in einem beschaulichen Dorf auf und besucht mit ihrer Familie ihre Tante im grossen Ankara, als sie 13 ist. Von ihrer Cousine wird sie in einen Park mitgenommen und dort dann alleingelassen. Ab da beginnt eine nicht enden wollende Odyssee: die Ehre ihrer Familie ist zerstört, weil sie mit einem fremden, jungen Mann, der tatsächlich nur ein hilfsbereiter Mensch ist, nach einigen Tagen vor der Wohnungstür auftaucht, sie geht arbeiten, um ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können, muss heiraten, weil es im Grunde so besser ist, ihr Mann wird getötet und sie des Mordes bezichtigt, kommt ins Gefängnis und erst nach vielen Jahren beteuerter Unschuld frei und selbst dann ist es schwer für sie, denn dieses Erlebnis verfolgt sie unablässig, ein sorgenfreies Leben scheint unmöglich. Und doch verliert sie nie ihren Glauben…

Ein ergreifendes Schicksal, wobei ich teilweise nicht wusste, ob ich wütend sein sollte wegen des Systems, das sie so nachlässig verurteilte, bewundernd, weil sie ihr Schicksal so hervorrragend meisterte oder beschämt, weil ich nicht weiss, ob mein Gottvertrauen in diesen Situationen auch so gross wäre.

Ist ein Muss!

My Halal Checkmyhalalcheck

von Cemil Sahinöz
Edition Bukhara
978-3-941910-06-5
brosch., A6-Format, 128 Seiten
8,90€

Wer als gläubiger Muslim in den hiesigen Supermärkten einkaufen geht, weiss ungefähr, was er einkaufen möchte und kann, denn nicht jedes nicht-fleischige Produkt ist tatsächlich für Muslime geeignet.
Oft zirkulieren im Netz lose Herstellerbriefe und bislang gibt es leider keine Seite, die regelmässig solche Sachen sammelt, die man dort auch findet und nachlesen kann.
Cemil Sahinöz hat sich 2012 daran gemacht, Produkte zusammenzustellen: 3000 Stück sinds geworden, auf seiner Website http://www.myhalalcheck.com/kriterien.html findet man mittlerweile 4500 Produkte und eine App gibt es zusätzlich.

Jetzt kommt das Manko: So schnellebig, wie grad die Nahrungsmittelindustrie ist, kann es durchaus vorkommen, dass durch einen billigeren Ersatzstoff und/oder durch Beschwerden der Verbraucher das eine oder andere Produkt neuere Zutaten bekommt. Deshalb finde ich es immer gewagt, solche Themen als Printversion zusammenzuführen. Besser wäre tatsächlich eine Website bzw. monatliche PDF-Versionen zum herunterladen (das auch gerne gegen einen Aufpreis). Übersichtlich ist es in den Grunde genommen schon: es ist alphabetisch nach den grossen Herstellern sortiert und dann nochmals alphabetisch nach Produkt.
Schade daran fand ich, dass bei manchen Herstellern nicht dazugeschrieben wurde, wo man sie bekommt (oftmals gibt es günstigere Produkte, die dann erlaubt sind, wo ich nicht auf Markenprodukte zurückgreifen muss, die ggf. Zutaten/Stoffe verarbeiten, die nicht als halal eingestuft sind). Toll fand ich das Buch in Sachen Säften, denn die stehen bei den meisten Muslimen im Fokus (Klärung durch Gelatine).

Weiteres Manko: er hat die Produkte gemäss der hanefitischen Rechtsschule tabellarisch sortiert, sodass Meeresfrüchte ebenso als haram eingestuft sind.

Ihr merkt also: Lesen muss man immer noch, als kleiner Ratgeber fürs Einkaufen kann „My halal Check“ durchaus taugen.

Eine Diskussion rund um „Islam und Kunst“

Diese Diskussion möchte ich euch nicht vorenthalten, weil sie eben sehr interessant ist, aber auch sehr kontrovers.

 

Jetzt mal kurz von meiner Seite aus: Schriftsteller wird man nicht, wenn man noch nie in seinem Leben ein Buch gelesen hat. Das heisst: Figuren, die man erschafft, spiegeln immer Erfahrungen aus unserem Leben wider, ob es eine willkürliche Begegnung mit einer fremden Person oder aber die Jugendliebe aus vergangenen Zeiten ist.

Selbst in der Fantasy ist es nicht anders; viele Motive kehren aus der bereits gelesenen oder gehörten Literatur wieder. Wenn es mal einen kreativen Vergleich braucht: es ist ähnlich wie der Lego-Karton, viele Steine und selbst hier baut man nach dem, was man bereits gesehen oder schon gebaut hat.

 

Deshalb widerspreche ich: selbst Romanfiguren sind nichts wirklich Neues, wer Autoren bzw. Schriftsteller näher kennt, weiss, wie man was in den Kontext setzen kann zur Person selbst. Und genau deshalb ist die Interpretation schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Klar: wenn der Autor einen schlechten Tag hat, wird er sich nicht an die Schreibmaschine setzen, aber sicher weiss jeder, dass ein 20-Jähriger anders schreibt als bspw. ein Achtzigjähriger, der vllt. auch schon selbst im Krieg war und von daher menschliche Abgründe sehr viel besser beschreiben kann als unser Twen, der ab und an mal in einem schicken Hotel im Ausland weilt.

 

 

Der Narrabila-Verlag

Im Buch- und Verlagswesen muss man einen Wiedererkennungswert haben. Das beginnt meist mit dem eindeutigen Verlagsprofil und beinhaltet vor allem den optischen Wert. Als prominentes Beispiel kann man hier durchaus explizit den Diogenes-Verlag nennen, der seit einigen Jahrzehnten im optisch gleichem Gewand daherkommt. Andere grosse Verlage versuchen dies auch, doch ist meist nach einer Umstrukturierung hier deutlich eine Veränderung zu erkennen, die sich nicht immer positiv auswirken muss. (Beispiel Goldmann)
Bei deutschen muslimischen Verlagen indes ähneln sich fast alle Verlage, nur einige wenige stechen heraus. Schaut man ins Impressum nach dem Verantwortlichen für die Gestaltung, taucht meist nur eine Firmenbezeichnung auf namens „Stilus Design“. Dumm ist an der Geschichte, dass sich die Bücher meist nicht voneinander unterscheiden und sozusagen der Designer an der Gestaltung erkennbar ist, ähnlich wie ein Dieter-Bohlen-Song (egal, wie schlecht oder gut er ist, Dieter Bohlen erkennt man immer…). Unterscheidbar sind dann tatsächlich nur die Typographien der einzelnen Verlagsbezeichnungen, selbst beim Vorwort des Verlages hat man meist nur das Gefühl, dass sie voneinander abgeschrieben haben, ja selbst die Grammatikfehler blieben vom Kopieren nicht verschont.
Nehmen wir mal die Kinderbücher raus, sticht derzeit mit einem optischen Wiedererkennungswert (als Verlag!) nur der Narrabila-Verlag heraus.
Gegründet 2011 in Berlin von Claudia Iman Valentin-Mohamed und Tasnim El-Naggar, konzentriert sich der Narrabila-Verlag hauptsächlich auf Romane aus muslimischer Sicht und Sachbücher (Ratgeber-Themen).
Allerdings: ich würde persönlich die Romane keinem Mann empfehlen, da sie doch sehr frauenlastig geschrieben sind (Hauptfigur und Weltsicht weiblich). Da ich mehrere Bücher des Verlages schon durchgelesen bzw. angelesen habe, kann ich die Bücher nur weiterempfehlen, Sicher ist für den Einen oder Anderen ein Titel dabei.
Wunderbar auch: der Narrabila-Verlag bietet tatsächlich auch Schreibwerkstätten an, meist über ein Wochenende. Für die also, die gerne schreiben und auch mal in der schreibenden Zunft ihr Geld verdienen möchten, ist das eine Plattform, die einen festen Platz in den Terminkalendern verdient hat.
Hier nochmals die bisher erschienenen Titel:
Iman Mohamed
270 Seiten
ISBN: 978-3-94313-600-5
Preis: 10€ (BTW: die sich wirklich lohnen, das ist eines der Bücher, die man nochmals gern liest)
Sandra Abed
240 Seiten
ISBN 978-3-94313-602-9
Preis 10,00€
Ist eher ein Jugendroman, hier stehen das Gefühlschaos und die Schwierigkeiten muslimischer Jugendlicher in der hiesigen Gesellschaft im Mittelpunkt.
Katja Meryem Brügel
192 Seiten
ISBN: 978-3-943136-03-6
Preis: 10€
Iman Mohamed
166 Seiten
ISBN: 978-3-943136-04-3
Preis: 8€
Iman A. Reimann
160 Seiten
ISBN: 978-3-943136-01-2
Preis 14,95€
Vykinta Krisiukėnaitė-Ajami
125 Seiten
ISBN: 978-3-943136-05-0
Preis: 10€
Hrsg. Fatima Grimm
160 Seiten
ISBN: 978-3-943136-06-7
Preis: 6€
Eine Sammlung von Muslimas, die von ihren Erfahrungen mit Tuch erzählen. Buntgemischt und interessante Geschichten.
Seid ihr neugierig geworden oder habt ihr noch Fragen? Dann geht einfach auf die Webseite des Verlages

Jotiar Barmani „Muhammad – Die faszinierende Lebensgeschichte des letzten Propheten“

As-salamu aleikum wa rahmatullahi wa barakatuh,

heute nehme ich insh’allah mal wieder Bezug auf einen islamischen Titel, der ebenso in keinem Buchregal fehlen darf und sehr gut für die Da’wa-Arbeit geeignet ist.
Es geht um dieses Buch:

„Muhammad – Die faszinierende Lebensgeschichte des Propheten“ von Jotiar Bamarni, Verlag Die Schreibfeder
ISBN-13: 978-3-9803633-3-4

Es ist bereits die 7.Auflage zu haben mash’allah.

Nach einem sehr netten und ausführlichen Gespräch mit dem Autoren ist folgendes zu Tage gekommen: Der Aufbau des Buches wurde etwas geändert (wer es schon mal gelesen hatte, weiß, dass er es nicht mit einem Sachbuch zu tun hat, sondern eher mit einem Roman) und die Ahadith, die aufgeführt wurden, sind ausführlicher aufgeführt. Nichtsdestotrotz ist es eben ein sehr empfehlenswertes Buch für die Da’wa, weil es eben kein typisch muslimisches Werk ist, obwohl es die Ansprüche durchaus erfüllt, weil sehr viele vor allem authentische Quellen zurate gezogen wurden. Zudem ist es als Roman geschrieben und daher vielleicht für Nichtmuslime  viel geeigneter, weil ihnen die Botschaft des Islam nicht „um die Ohren gehauen“, sondern in kleinen Schritten vermittelt wird. Für mich entfällt damit das brachiale Wesen mancher islamischer Bücher.

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