Milde enttäuscht: „Die Helden des Islam“

helden Zunächst mal zu den Kerndaten des Buches: „Die Helden des Islam“ ist im Granada Verlag erschienen, mittlerweile schon die zweite Auflage, ist gebunden und hat 380 Seiten und ist für den Preis von 22,90€ in den meisten Onlineshops erhältlich.

Geschrieben wurde es von Abdul Salam Wakil. Das vorliegende Buch enthält die Kurzbiographien von zahlreichen Prophetengefährten (Übersicht findet ihr hier) und wahrscheinlich fällt euch dann beim Darüberfliegen ebenfalls auf, dass mindestens drei wichtige Personen fehlen.

„Drei von den vier rechtgeleiteteten Kalifen wurden in diesem Werk nicht berücksichtigt, da sie schon in dem Buch „Die vier rechtgeleiteten Kalifen“ von Muhammad Rassoul ausführlich beschrieben worden sind.“ (aus dem Vorwort)

Aha. Da war ich echt baff. Einem Querverweis auf ein Buch eines anderen Autoren bin ich schon oft begegnet, da ging es aber meist um einen Begriff. Allerdings reden wir hier über die Kurzbiographien von Menschen, die die Geschichte des Islam maßgeblich geprägt haben! Und gerade diese drei sollten doch nun wirklich nicht fehlen.

Im Grunde werden für jeden Gefährten die bekannten Fakten aufbereitet und – wenn vorhanden – mit Quellenmaterial aus Qur’an und Sunna belegt. Sprachlich allerdings war ich sehr enttäuscht von der Einfachheit und auch irritiert ob der ständig wiederkehrenden Phrase „unser Held“. (Ich kenne das aus Kinderbüchern, wenn der Plot ein wenig im Schnelldurchlauf erzählt wird. Bei Biographien – wie kurz sie auch sein mögen, hat diese Phrase allerdings nichts zu suchen.)

Fazit: Für einen kurzen Überblick über die Biographien der Gefährten empfehlenswert. Das Preis-Leistungsverhältnis ist gut, vor allem angesichts der hervorragenden Verarbeitung. Eine sprachliche Korrektur wäre allerdings beim nächsten Mal vonnöten.

Ich persönlich war milde enttäuscht, nicht nur, dass ich andere Literatur hinzuziehen muss, um den Kurzüberblick komplett zu machen, sondern auch wegen der Sprache, die mir zu einfach und banal war.

 

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9 Kommentare zu “Milde enttäuscht: „Die Helden des Islam“

  1. Balibey 28. Januar 2018 um 16:58 Reply

    Es hätte sehr viel Potential gehabt. Ein Gefährte seiner Zeit zu werden, ist die Vision, welche den Muslimen oftmals fehlt. Eine Identitätsbildung, genährt durch die Leben der Gefährten. Verläge müssen darum bemüht sein, keine Fachliteratur zu übersetzen, mit denen der Laie ohnehin nur schwer etwas anfangen kann. Zum Beispiel: Ein Tafsir von Ibn Kathir bedarf einer gewissen Grundlage und ist eher ein Nachschlage werk für die Gelehrten. Mir bringt es als Laie nicht viel.

    • muslimischerlesekreis 29. Januar 2018 um 12:58 Reply

      Generell hat das Thema viel Potential. Zumal deutschsprachige Literatur zu den Gefährten eher kaum bis gar nicht vorhanden ist. Als Fachliteratur würde ich das Buch jedoch nicht bezeichnen.

      • Balibey 29. Januar 2018 um 15:07

        Ich meinte damit, dass die Verläge sich eher auf die Veröffentlichung dieser Sorte von Werken konzentrieren sollten, anstatt auf Fachliteratur.

      • muslimischerlesekreis 29. Januar 2018 um 17:49

        Achso. Aber so richtige Fachliteratur habe ich noch nicht erspäht. Derzeit lese ich „Das Benehmen eines Schülers“ und dort sind einige Werke erwähnt, die man wohl auswendig lernen muss. Bei diesen Thematiken wäre ich als Verleger eher abwehrend, denn diese würden im deutschsprachigen wenig bis gar nicht gelesen geschweige denn verkauft.

  2. Balibey 30. Januar 2018 um 10:14 Reply

    Die Übersetzung von Quellwerken zählen zur Fachliteratur. Wohingegen ich die Übersetzung von den sechs großen Hadithbüchern befürworte. Jedoch fehlt ganz dringend ein kommentierter Riyad-as-salihin. Ein Kommentar ist für Laien unverzichtbar. Versuchen sie mal die den Tafsir surat al fatiha von ibn kathir auf Deutsch zu lesen und sie wissen was ich meine :). Wenn sie jedoch ahadith lesen, die vom Gebet handeln und zusätzlich einen kommentierten Leitfaden haben, ist dies viel viel effektiver als ein klassischer Tafsir.

  3. muslimischerlesekreis 30. Januar 2018 um 12:42 Reply

    Momentan würde ich auch befürworten, wenn – ähnlich wie in islamischen Ländern – die Buchherstellung finanziell unterstützt würde. Denn angesichts der Wünsche der Leser und der Verlage ließe sich eine Menge machen, aber das Geld fehlt.

    • Balibey 30. Januar 2018 um 13:56 Reply

      Da gebe ich Ihnen völlig recht. Ich denke die mangelnde Nachfrage einer Leserschaft korreliert mit einer weniger wohlhabenden deutschen Umma.

  4. Eckhardt Kiwitt 11. Februar 2018 um 23:08 Reply

    Frage zur Grammatik:

    Da lese ich „von Menschen, die die Geschichte des Islam maßgeblich geprägt haben“.

    „… des Islam …“ finde ich häufig, das grammatikalisch m.E. richtige „des Islams“ sehr selten.

    Wie kommt es dazu ?

    Danke für eine Erläuterung.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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