Sandra Abed „Noura – ein Jugendroman“

Kinder- und Jugendbücher zu schreiben ist sehr schwer. Das kann man nicht einfach so aus dem Ärmel snourachütteln: die Story muss spannend sein, die Figuren sollen nicht belehrend rüberkommen, das Lesepublikum möchte sich ernstgenommen fühlen und die Logik (ja, genau die!) darf nicht zu kurz kommen.

Im muslimischen Bereich sind deutschsprachige Jugendbücher sehr rar gesät. Nach „David und die sieben Träume“, das alle wichtigen Punkte völlig verfehlte, was bei mir die Frage aufkommen ließ, ob der Autor sich mal ausgiebig mit Jugendlichen beschäftigt hatte?, legte ich die Thematik islamische Jugendbücher erstmal auf Eis.

Bei „Noura“ war ich dementsprechend sehr zögerlich, obwohl dieses Buch schon etliche Zeit mein Buchregal verzierte. Die Leseprobe, die ich damals vom Narrabila-Verlag zugesandt bekommen hatte, hatte ich schon gelesen, wußte also ungefähr, worum es ging.

Noura ist ein muslimisches Mädchen, das in Berlin aufgewachsen ist, dort in recht behüteten Verhältnissen lebt und das nach seinen Prinzipien versucht zu leben. Sie hat einen kleinen, recht überschaubaren Freundeskreis, der um ihre Regeln weiß und die Grenzen auch so akzeptiert und respektiert. Chapeau für solche Freunde!

Nach den Sommerferien geht Noura dann in die zwölfte Klasse und gerät erstmals in eine Zwickmühle: denn vom Sohn des Freundes ihres Vaters – Ahmed – bekommt sie einen Heiratsantrag und da gibt es noch Luca, der in ihren Kursen sitzt und der sich über die Sommerferien sehr verändert hat und plötzlich Nouras Nähe sucht.

Was also soll sie machen? Für wen sich entscheiden? Ihre Freundinnen mag sie damit nicht belasten, denn ihre nichtmuslimischen Freundinnen würden die frühe Wahl nicht verstehen können und ihre muslimischen Freundinnen haben fast die gleichen Sorgen wie Noura..

Es gibt aber noch Tante Hamide, ihre türkische Nachbarin, die immer ein offenes Ohr für sie hat.

Dass die Gefühlswelt für Jugendliche nicht einfach zu bewältigen ist und gerade muslimische Jugendliche meist zwischen mehreren Stühlen sitzen, ist wohl jedem bekannt, der sich mal mit jungen Leuten unterhalten hat.

Von daher kann man der Autorin nur gratulieren, dass sie sich eines solch schweren Themas angenommen hat. Allerdings – Wink mit dem Zaunpfahl! – habe ich mich am Ende ziemlich bedröppelt im Regen stehend gefühlt. Wäre es nicht Zeit für eine Fortsetzung?

(Ende verrat ich in dem Zusammenhang nicht. Ätsch.)

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